Das (vorläufige) Ende (Persönliches)
Ich bin wieder zurück in Krefeld. Mein Bett, viel gemütlicher, endlich wieder alleine im eigenen Zimmer schlafen. Morgen ein vernünftiges Frühstück. Es gibt so vieles, was ich tun kann: mein PC, viele warten sicherlich auf meinen Wien-Bericht, das Telefon, hab grade erst mit meinem besten Freund telefoniert, meine Musikanlage: eine Woche ohne vernünftige Musik, wie konnte ich das nur durchstehen? Mein Laptop, meine beiden Gitarren, der Billardtisch im Keller, keine Langeweile und doch fehlt einfach etwas.
In mein Leben kehrt vorerst wieder so etwas wie Normalität ein, aber will ich das überhaupt? Ein Schritt zurück und wieder warten. Ich hasse es und doch bleibt mir nichts anderes übrig. Je mehr ich drüber nachdenke, desto schlimmer wird es nur, also will ich es lieber lassen. Trotzdem wollen mir die Worte "bis in anderthalb Jahren" nicht aus dem Kopf. Auch wenn sie optimistisch klingen sollen, zeigen sie nur die harte Realität. Anderthalb Jahre nur Kontakt per Internet, weil es einfach nicht anders geht. Was die Zukunft bringt kann niemand wissen.
Also werde ich warten und so gut es geht nicht mehr daran denken.
Fortsetzung (Persönliches)
Ich verlasse das Internetcafé und bin wieder alleine. Ich hab ein bißchen Hunger, aber nicht wirklich viel. Trotzdem gehe ich in das nahgelegene MC-Donalds und esse dort etwas, hauptsächlich um die Zeit zu vertreiben. Auch wenn ich mit ihr hier gegessen habe, es erinnert mich nicht zu stark an sie. Um 6 Uhr bin ich wieder in der Jugendherberge. Am liebsten wäre es mir, wenn es schon morgen wäre. Ich liege im Bett oder laufe im Zimmer auf und ab und denke nach, um mir die Zeit zu vertreiben. Wie im Gefängnis. Später vertreibe ich mir die Zeit mit Sudokus, danach fange ich wirklich an, mit meinem Handy rumzuspielen. Um 22 Uhr gehe ich ins Bett. Ich habe keinen neuen Mitbewohner bekommen, aber irgendwie stört mich das gar nicht. Ich liege keine 5 Minuten im Bett, da klingelt mein Handy. Eine SMS von Maja, wir können uns morgen um 10 Uhr treffen. Ich hatte erst am nächsten Morgen damit gerechnet, dass sie sich meldet, aber ich freue mich natürlich darüber. Und dennoch befürchte ich die ganze Zeit, dass irgendwas dazwischen kommen könnte.
Um 7 Uhr wache ich auf und kann nicht mehr schlafen. Aber jetzt stört es ja niemanden, wenn ich jetzt schon im Zimmer rumturne. Ich lasse mir extra viel Zeit bei allen Sachen, damit es schneller 10 Uhr wird. Doch beim Frühstück habe ich absolut keinen Appetit wegen des Gedankens an das Treffen. Ich packe mir meine 2 Brötchen ein, mache mich auf den Weg und bin viel zu früh da. Um 10 Uhr ist sie nicht da, aber wenn man mit der Bahn fährt, kann es immer sein, dass man zu spät kommt. 5 Minuten später ist sie da, aber wir schweigen uns fast nur an. Es ist einfach nur bedrückend. Ich weiß nicht, was sie mir sagen wird und ich weiß nicht, wie ich ihr all das sagen soll, was ich ihr sagen will. Im Prater setzen wir uns auf eine Bank und ich darf zuerst sagen, was ich denke. Sie hört mir nur zu und kann mir letztendlich nur zustimmen. Sie denkt genau dasselbe wie ich. Ich bekomme ein paar Antworten, auf die wichtigsten Fragen, andere Dinge bleiben vorerst offen.
Warum verhält sich ihr Vater so? Wir sind uns einig, dass es nichts persönliches gegen mich ich. Er ist nur felsenfest davon überzeugt, dass das nicht klappen kann und er will sie vor Enttäuschungen schützen. Irgendwie kann man das ja noch verstehen, auch wenn man das eigentlich nicht machen sollte. Irgendwann muss man lernen, dass es auch Enttäuschungen gibt. Und wie soll das so gehen?
Wie oft können wir uns noch sehen und was können wir zusammen noch machen? Sie muss heute kochen, mittags könnte ihr Vater nach Hause kommen, also verabreden wir uns im Internet. Ihr Vater hat ihr ein Programm erstellt, damit sie keine Zeit hat, sich zu mir rauszuschleichen, wenn er arbeiten muss. Morgens sitzt er im Büro, mittags könnte er zu Hause am Laptop arbeiten. Jetzt kann ich es auch nicht mehr zurückhalten: "So ein Arschloch!" Morgen werd ich sie nicht sehen, wenn es keine glückliche Wendung des Schicksals gibt. Übermorgen vormittag wollen wir uns nochmal treffen. Abends wird sie mich nicht zum Flughafen bringen können. Alles, was wir irgendwie geplant haben, können wir vergessen, das dauert zu lange, als dass wir das machen können. Mehr als uns sehen ist einfach nicht drin.
Das Wichtigste: Wie soll es weitergehen? Es gibt einige Möglichkeiten. Unrealistische, schwer durchsetzbare und schlechte Möglichkeiten. Die realistischen Möglichkeiten beschränken sich arg. Ausziehen kann sie nicht mit 18. Wie soll sie eine eigene Wohnung als Schülerin finanzieren? Unterstützung durch die Eltern? Nie im Leben, wenn sie meinetwegen bei ihren Eltern auszieht. Es wäre die schönste Möglichkeit für mich, aber es ist einfach nicht machbar und das weiß ich auch. Die zweite Möglichkeit: Wir geben uns auf. Ich fliege zurück nach Deutschland, sie ergibt sich ihrem Vater. Und dann? Schreiben, als wäre nie etwas gewesen? Unvorstellbar. Wenn ich weiter mit ihr schreibe, dann will ich sie irgendwann wieder sehen. Also müsste es ein kompletter Abschied sein, wir müssten uns bei ICQ löschen. Und was wird mit AM? Wir könnten uns immer über den Weg laufen. Wir haben gemeinsame Freunde hier. Es gibt einfach zu viele Erinnerungen, die im Internet liegen, so seltsam das auch klingen mag. Die letzte Möglichkeit: Warten. Wir haben drei Monate gewartet, bis wir uns sehen konnten, kennen uns seit 10 Monaten und wir müssten anderthalb Jahre warten. Dann würde sie ihr Studium anfangen und wollte eh ausziehen. Dann ist es kein Auszug mehr, der nur meinetwegen stattfinden würde. Aber das ist 6 Mal so viel Zeit, wie wir ohnehin schon gewartet haben. Und in der Zeit kann so vieles passieren. So vieles negatives, was positives wohl eher nicht. Was wäre denn auch positiv? Ich ziehe nach Wien? wird wohl nicht passieren. Ihr Vater gibt nach? Eigentlich undenkbar. Sie kann doch alleine wohnen? Da muss man keinen weiteren Gedanken dran verschwenden. Was kann negatives passieren? In der Zeit könnten wir beide jemand anderen kennenlernen. Wir können uns versprechen, nicht gezielt jemanden zu suchen, aber wenn wir gefunden werden, wer könnte es dem anderen verübeln, wenn man sich für das Leichtere und vor allem Sichere entscheidet? Ein Freund von Maja hat auch ein paar Möglichkeiten: es aufgeben, heiraten und durchbrennen oder aber sogar denken, dass ihr Vater recht hat. Das erste wollen wir einfach nicht, das Zweite ist einfach nur unrealistisch und das dritte... Wir sind uns eh einig, dass ihr Vater nicht denkt, dass ich was Böses von ihr will, aber ihm kann man es nicht übel nehmen, dass er das in Betracht zieht, schließlich kennt er mich überhaupt nicht. Für uns ist beide klar, dass jede Entscheidung bescheuert ist, aber es gibt nur eine, die vielleicht zu einem Happy-End führen kann: wir müssen warten.
Nach dem Gespräch gehen wir in die Stadt. Die Stimmung ist wieder lockerer, auch wenn wir die wichtigste Entscheidung noch nicht getroffen haben. Ich hatte Maja vorher was aufgeschrieben für den Fall, dass wir uns gar nicht mehr sehen würden. Sie ist neugierig und ich kann ihr die Zettel nicht vorenthalten. Auch wenn sie meine Schrift nicht wirklich lesen kann (ich biete ihr an, alles nochmal in Schönschrift zu schreiben, aber sie lehnt ab), scheint ihr zu gefallen, was sie liest. Was das genau ist, das bleibt meine Sache. Auch ich habe eine Privatsphäre (Priva...Priva-was?! :P).
Ich kaufe mir in der Zwischenzeit ein Buch für meine einsamen Stunden, sie muss sich auch ein paar Dinge besorgen und schon muss sie zurück nach Hause kochen. Drei Stunden haben wir miteinander verbracht und wir stehen vor ihrer Tür, reden und wollen uns einfach nicht verabschieden. Womöglich ist das das letzte Mal, dass wir uns sehen. Wir versuchen so weit es geht, zu planen. Morgen werden wir uns wohl nicht sehen können, vielleicht werden wir uns schreiben können, mehr aber auch nicht. Am Donnerstag vormitttags sollte es nochmal klappen, aber zu ihr können wir nicht, mein Zimmer in der Herberge hab ich dann auch nicht mehr und mein Flug geht erst gegen Abend. Egal, hauptsache das war nicht der letzte Abschied. Wir entscheiden uns, dass wir wieder warten wollen. Was letztendlich wird, können wir dann spätestens in anderthalb Jahren sagen. Ich muss sie gehen lassen, damit sie kochen kann, will erst in die Herberge zurück, entscheide mich dann aber doch anders. Ich fahre wieder in die Stadt, gehe in einen anderen Buchladen und schau mir ein paar Bücher an, um mir die Zeit zu vertreiben. Letztendlich kauf ich mir noch ein zweites Buch und mache mich auf zum Internetcafé. Moony ist da, Maja auch ziemlich bald, Nef noch nicht. Aber ich komm mir fast vor wie zu Hause. Zumindest für ein paar Stunden. Ich muss öfters Lächeln, während ich mit ihr schreibe.
Anderthalb Jahre. Werd ich das durchhalten? Ich weiß es nicht. Genauso wenig weiß ich, ob sie es durchhält. Aber wenn es doch irgendwie klappen sollte, was soll dann noch schief gehen? Eine Beziehung geht immer durch schwere Zeiten und zerbricht womöglich daran. Was ist mit einer Beziehung, die so schwere Zeiten durchlebt, bevor sie wirklich anfängt? Vielleicht werden wir es eines Tages wissen...
Wahrscheinlich hab ich wieder einiges vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte, aber mehr fällt mir jetzt einfach nicht ein. Wieder bitte ich darum, zu kommentieren, selbst wenn es sich nur um ein "Habs gelesen" handelt.
Erneute Grüße aus Wien,
Rowe
Reisebericht (Persönliches)
Prolog:
Die Meisten, die mich kennen, werden wissen, worum es geht. Diejenigen, die mich nicht kennen, können sich das Weiterlesen sparen. Das Ganze dient dazu, dass alle erfahren, was passiert ist, ohne dass ich es jedem einzeln erzählen muss.
Teil 1: Es lief alles schief, auch wenn es zwischenzeitlich gut aussah. Seit September haben wir es uns vorgenommen und den Tag herbeigesehnt. Die Zeit verstrich und ich konnte aus persönlichen Gründen nicht wirklich anfangen zu planen. Irgendwann machte ich es einfach, auch auf das Risiko hin, dass es umsonst sein würde. Alleine hätte ich es nicht schafft, meine Mutter musste helfen, ohne dass sie wusste, was ich genau vorhatte. Für sie war es meine Reise nach Wien. Wie fängt man also an? Kein Flug ohne Unterkunft, die Flüge werden immer teurer, je länger man wartet... Die Hotels alleine kosten mindestens 50 Euro pro Nacht (=> 350 Euro)die Flüge ergeben über 200 Euro. Ich zögere. Ist es mir das wert? Kann sie nicht zu mir kommen? Sie könnte bestimmt bei mir unterkommen und muss keine Unterkunft bezahlen, aber ihre Eltern würden es nicht erlauben. Ich tendiere zur Aufgabe und sage es ihr: Es folgt ein Tag, als könne man nie wieder glücklich sein. Mein Entschluss steht: 500-600 Euro bedeuten mir nicht so viel wie sie! Sie ist erleichtert, hat aber bestimmt ein schlechtes Gewissen deswegen, aber der Wille mich zu sehen ist stärker. Meine Mutter wird zu Rate gezogen und sie erklärt mich für verrückt, für ein billiges Hotel soviel Geld ausgeben zu wollen. Die Hoffnung stirbt... Und doch lebt sie wieder auf: eine Jugendherberge ist billiger. Aber ich brauche einen Jugendherbergsausweis. Bekomme ich den noch auf die Schnelle? Ich muss es probieren, frage bei der Herberge an, was wäre, wenn ich keinen hätte. Keine Antwort. Ich rufe bei der deutschen Jugendherbergsverwaltung an (oder wie auch immer das hieß): Erleichterung, es klappt. Als nächstes ist die Unterkunft dran. Vor ein paar Tagen schrieb man mir, dass nur noch im großen Schlafsaal Platz ist, aber es keine normalen Zimmer mehr gäbe... egal, hauptsache es gibt noch ein Bett. Es kommt und kommt keine Antwort. Endlich kommt die Bestätigung meiner Buchung, jetzt nur noch der Flug. Wieder ist er teurer geworden: 250 Euro. Ich zögere wieder und erblicke ein Werbebanner: in 10 Minuten kann ich jeden Flug in dem Zeitraum, für den ich schaue, für 69 Euro haben. Ich kann mein Glück kaum fassen und doch gibt es wieder Probleme. Ich kann nicht per Lastschriftverfahren zahlen, weil das nur geht, wenn man den Flug früh genug bucht...meine Mutter lässt sich dazu breitschlagen, dass ich ihre Kreditkarte benutzen darf, schiebt mir aber die Verantwortung zu, wenn dabei etwas schief gehen sollte. Letztendlich schenken mir meine Eltern sogar die beiden Flüge zu Weihnachten. Es passt einfach alles, billige Unterkunft, Flug billiger - nahezu traumhaft.
Jetzt steht dem ganzen nichts mehr im Weg, auch wenn ich für den Hinflug um 3:30 Uhr aufstehen muss und keine 2 Stunden Schlaf bekomme. Es klappt alles, ich reise das erste Mal ganz alleine und die Vorfreude wächst ins Unermessliche.
Teil 2: Ich bin in Wien, ich habe meinen Koffer und wir sehen uns wider aller Befürchtungen sofort. (Alle Peinlichkeiten bleiben unter uns... nur soviel: wir hatten beide genug) Es ist, wie Tine mir gesagt hat. Wir sind beide zurückhaltend und reden wenig. Mein Koffer nervt, aber das lockert wenigstens die Stimmung. Wir gehen zusammen eine Pizza essen und so langsam merken wir: ja, das ist der/die aus dem Internet. Später lerne ich noch ihre zwei besten Freundinnen kennen: Kathi und Julia (Joruri-chan). Auch wenn wir uns nicht lange sehen, sie stört es nicht, dass Maja und ich uns nur per Internet kennen und ich hab die beiden fast sofort ins Herz geschlossen. Leider muss Maja mich am Abend schon recht früh alleine lassen.
Teil 3: Am zweiten Tag sind wir um 11 verabredet. Um 5 vor verlasse mein Zimmer und sie wollte grade anklopfen. Wir besichtigen Schloss Schönbrunn und den Stephansdom. Abends sind wir dann bei ihr. Der Vater begrüßt mich freundlich, bietet mir verschiedene Getränke an, die Schwester lächelt freundlich und der kleine Bruder scheint mich zu mögen (laut Maja). Sie klärt ihren Vater schonend auf, wer ich genau bin... aber nur teilweise. Während ich mit ihr im Zimmer sitzend ihr Poker erkläre, betritt der Vater das Zimmer und bekundet seine Ablehnung gegenüber Glücksspielen. ("Poker ist kein Glücksspiel!", ich kann es mir nicht verkneifen.) Die Meinungen sind verschieden, dennoch hat er eine interessante Ansicht vom Ganzen. Das schlimme nur, mir rutscht etwas raus: "...bei uns in Deutschland...". es verrät mehr, als es darf, er hakt nach und mir bleibt nichts anderes übrig, als ehrlich zu antworten. Doch es scheint ihm gar nichts auszumachen, er scheint mich sogar zu mögen. Trotzdem schafft er es kurze Zeit später, mich wegzuschicken und mit Maja alleine zu reden. Ich bekomme eine SMS: sie weiß nicht, wann sie morgen vorbeikommt. Ich bin traurig, schließlich hab ich damit gerechnet, dass wir den ganzen Tag zusammen etwas unternehmen würden, aber sie hat mir zwei Bücher ausgeliehen, so dass ich wenigstens was zu lesen habe.
Teil 4: Es ist 15 Uhr, sie hat sich noch nicht gemeldet. Ich schreibe ihr und sie kommt endlich. Ihre Eltern mögen mich nicht und sie ist sauer. Wir reden eine knappe Stunde darüber und schon wird sie angerufen: sie muss nach Hause. Ich begleite sie, warte draußen, ob sie noch mal raus darf und sie kommt zurück. Sie wischt noch eine letzte Träne aus dem Auge, sie hat meinetwegen geweint, weil sie mich nicht sehen darf. Wir sind ratlos, können aber nicht reden, weil die Eltern sonst noch wütender werden. Meine Idee: mein Zimmermitbewohner hatte mir angeboten, seinen Laptop zu nutzen, um online gehen zu können, ich hatte dankend abgelehnt, aber ich will ihn noch mal fragen. Er gibt mir seinen Laptop, obwohl er mich bisher keine ganze Stunde in seinem Leben gesehen hat. Ich verpasse Maja genau, schließlich kann ich das nahezu erschöpfte Internetkontingent nicht für mich ausnutzen. Trotzdem bin ich ihm unendlich dankbar, ich konnte mit Nef schreiben, sie vermittelt zwischen uns und schließlich ruf ich sie an. Maja findet ihr Handy nicht, kann mich also nicht kontaktieren und ist verzweifelt und diese Verzweiflung färbt auch ein wenig auf mich ab. Nef telefoniert mit mir und schreibt mit Maja, ihre Eltern haben ihr irgendeinen Schlimmen Vortrag gehalten. Ich muss Schluss machen und geh schlafen, so gut es geht.
Teil 5: Maja meldet sich nicht. Nef vermutete verschiedene Sachen, die ich nicht glauben kann: dass sie mich nicht sehen darf, nicht mal mit mir telefonieren. Es ist Silvester und ich warte. Ich schau mir alleine ein paar Sachen an, die in der Nähe von Majas Wohnung liegen und komm mir fast vor wie ein Stalker. Nefs Vermutungen machen mich irgendwie nervös, vor allem, weil Maja weder ans Handy geht noch SMS beantwortet. Ich telefoniere wieder mit Nef (was würde ich nur ohne sie tun?!). Wenigstens habe ich dann etwas zu tun und langweile mich nicht. Dannach klingel ich bei Maja. Sie hatte gesagt, dass ihre Eltern zu Verwandten wollen, um Silvester zu feiern. Sie wollte auf keinen Fall mit. In der Wohnung ist Licht, man hört den Fernseher, aber es öffnet keiner die Tür, warum auch immer. Ich gebs auf, hoffe, dass Maja sich noch irgendwann meldet und schreibe einen Lagebericht an Nef. Sie antwortet und ich ruf sie wieder an. Es scheint wirklich so zu sein, wie sie vermutet hat. Sie empfiehlt mir, meine Eltern anzurufen und das mache ich auch. Meine Mutter kann mir nicht wirklich helfen, aber zumindest ist sie verständnisvoll (das ist keine Normalität). Plötzlich piept mein Handy, ich hab während des Telefonates eine SMS bekommen und mache schnell Schluss. Ich habe richtig vermutet, sie kommt von ihr:
"Hab meine Freiheit und meinen Lebenswillen verloren, dafür mein Handy gefunden. Und ich bin nicht zu Hause, sondern auf der Neujahrsfeier, was ich besonders toll finde. Mein Vater hat gedroht, mich rauszuwerfen, falls ich mich mit dir treffe. Leb Wohl, ich werd dich vermissen.
P.S.: schmeiß die Bücher am Di. in meinen Postkasten, ein schönes, neues Jahr wünsch ich dir noch und bedaure, dass du deine Zeit verschwendet hast,
Maja."
Es ist, wie Nef vermutet hat. Wieder greif ich zum Handy, erst ruf ich sie an, dann Nef und dann meine Mutter.
Resignation bei ihrer SMS, das Telefonat mit ihr macht noch Mut. Sobald der Vater arbeiten muss, wollen wir uns nochmal sehen. Das heißt aber, dass ich Silvester und Neujahr alleine bin. Sie ist bei Verwandten, hasst ihren Vater für alles. Unser schönster Jahreswechsel wird so schlimm, wie er nur sein kann. Ich vertreibe mir die Zeit damit, diesen Weblog zu verfassen, damit ich mich nicht langweile.
Teil 6: Um Mitternacht geh ich raus, das Feuerwerk ansehen. Jetzt erst bemerke ich, wie einsam ich bin. Das Feuerwerk ist groß, überall, schön... und trotzdem einfach nur beschi****. Ich muss an sie denken und frag mich, wie es ihr geht. Wohl nicht besser als mir.
Teil 7: Der nächste Morgen. Wieder verlassen mich meine Zimmermitbewohner, einer, der erst den Vorabend kam und der, der mir seinen Laptop ausgeliehen hat. Jetzt fühl ich mich erst recht einsam, ich kannte ihn eigentlich nicht, aber er war mir einfach sympathisch... und das letzte bißchen, was mir noch irgendwie Halt und Ruhe gibt, verschwindet. Wenn mal alle von Anfang an so nett wären wie er... und einem nicht mit Mißtrauen gegenüber treten und fremde Personen als Lügner etc. abstempeln. Majas Vater glaubt mir nichts, behauptet zu glauben, dass ich nur "ein Abenteuer suchen" würde...Er will mich einfach partout als jemand schlechten darstellen und es gibt keine Möglichkeit, das zu ändern. Am Morgen, als ich alleine in meinem gefängnisartigem Zimmer bin, bin ich ratlos. Was soll ich machen? Ich hab mich darauf verlassen, dass Maja ein Programm zusammenstellt, aber das können wir jetzt vergessen. Ich hab Sorgen, dass ich sie gar nicht mehr sehen werde und frage mich, wie es weitergehen soll, wenn ich wieder zurück bin. Ich brauche Ablenkung, denn mir kommen die Tränen bei dem Gedanken an die ganze Geschichte. Ich will wissen wie es ihr geht, aber ich kann es nicht erfahren. Ich brauche Ablenkung, damit ich nicht mehr daran denke, aber es gibt kaum eine Ablenkung, bei der ich nicht doch an sie denke. Dinge besichtigen, die wir schon zusammen gesehen haben? Keine Chance. Dinge, die wir noch ansehen wollten, alleine ansehen? Nein, ich würde nur daran denken, dass wir das gemeinsam machen wollten. Ein Internetcafé ist scheinbar die beste Idee und jetzt sitz ich hier und tippe das alles. Ich musste mit der Bahn fast bei ihr zu Hause vorbeifahren und sehe dauernd Dinge, irgendwelche Kleinigkeiten, die mich an sie erinnern. Es ist einfach grausam. Was soll ich machen, wenn sie mich nicht mal sehen kann, wenn ihr Vater arbeitet? Telefonieren lenkt ab, aber ich hab bestimmt schon um die 100 Euro vertelefoniert. Das Internetcafé ist nicht wirklich günstig, aber es lenkt gut ab und es lässt die Zeit vergehen. Wie wird es weitergehen, wenn ich sie wiedersehe? Ich weiß es nicht, es wird nichts lustiges, es wird bedrückend. Aber ich hoffe dennoch, sie noch sehen und mit ihr reden zu können. Und was wird, wenn wir uns gegenseitig aufgeben müssen? Das sind die Gedanken, die mir dauernd durch den Kopf schwirren. Wir sind so weit gekommen, obwohl wir wussten, dass es nicht einfach sein wird und dann hat jemand die Macht von außerhalb, das ganze kaputt zu machen... Oder wenn man es optimistischer sieht: das ganze komplizierter zu machen, als es ohnehin schon war.
Das wars bis heute. Vielleicht kommt noch was dazu, das werdet ihr ja sehen. Am 4.1. kann ich abends wieder nach Hause und werde hier wohl noch ergänzen. Ich bereue nicht wirklich, dass ich nach Wien gekommen bin, ich wollte sie einfach persönlich kennen lernen und dennoch bin ich am Boden zerstört, dass es einfach so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Shit happens.
Die Jugendherberge ist so, wie man sie sich vorstellt. Die Zimmer sind eng und klein. Man kommt sich vor, wie im Gefängnis. Die Betten sind ungemütlich und klein, die Matratzen steinhart. Das Frühstück ist auch nicht das Wahre: kleine Auswahl und trockene Brötchen. Wenigstens gibt es neben Kaffee und Tee (ich hasse beides) noch einen halbwegs erträglichen Kakao. Der Frühstückssaal ist dauernd stickig und mir vergeht der Appetit. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich dauernd befürchtet habe, dass ich wenig Zeit mit Maja verbringen würde. Ich sitze über eine Stunde an 2 Brötchen. Inzwischen nehm ich mir die Brötchen mit und ess sie woanders, dann sind sie halbwegs genießbar. Wenigstens hab ich eine Dusche auf dem Zimmer, das WC ist auf dem Gang. Und ich hatte keine unsympathischen Mitbewohner. Und ich kam nicht in den 24-bettigen Schlafsaal, wie man mir erst sagte, sondern konnte ein 3-Bett-Zimmer beziehen. Man darf schließlich nicht alles schlecht machen.
Das wars dann zu allem. Wie gesagt, ich werde wohl bei Bedarf noch ergänzen. Wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, stellt sie ruhig, entweder beantworte ich sie dann hier bei den Kommentaren oder ich schreib woanders mit euch. Und bitte schreibt bei den Kommentaren rein, wenn ihr das hier alles gelesen habt, damit ich weiß, wer komplett auf dem neusten Stande ist.
Grüße aus Wien,
Rowe
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